Wir machen gerne Witze über die „besten Jahre des Lebens“. Doch wenn man Romantik und Internet-Memes beiseitelässt, bleibt eine ganz einfache Frage: Wann arbeitet der menschliche Körper auf seinem absoluten Höchstniveau? Mit 25? Mit 30? Oder vielleicht erst nach 40, wenn Erfahrung, Disziplin und eine teure Mitgliedschaft im Fitnessstudio dazukommen?
Wissenschaftler wollten diese Frage nicht anhand von Gefühlen, sondern mit Daten beantworten. Die Ergebnisse einer großen Studie, die fast ein halbes Jahrhundert dauerte, verändern unser Bild davon, wann Menschen tatsächlich den Höhepunkt ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit erreichen.
Der Höhepunkt der Fitness liegt nicht mit 20
Viele Männer sind überzeugt, dass die beste körperliche Form in den frühen Zwanzigern erreicht wird. Doch die Realität ist deutlich spannender.
Forscher des Karolinska-Instituts in Schweden analysierten die Daten des Langzeitprojekts SPAF, das seit 1974 die körperliche Fitness von Hunderten Menschen über Jahrzehnte hinweg verfolgt. Die Teilnehmer wurden alle fünf Jahre getestet, wobei Ausdauer, aerobe Leistungsfähigkeit und die allgemeine körperliche Fitness bewertet wurden.
Das überraschendste Ergebnis: Die meisten Männer erreichen ihre maximale aerobe Leistungsfähigkeit im Alter zwischen 26 und 36 Jahren.
In dieser Lebensphase arbeiten Herz, Lunge und Muskulatur besonders effizient.
Was passiert nach dem 35. Lebensjahr?
Nach dem 35. Lebensjahr beginnt der Körper allmählich, einen Teil seiner maximalen Leistungsfähigkeit zu verlieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass man plötzlich von heute auf morgen schwächer wird.
Die ersten Veränderungen sind kaum spürbar. Laut der Studie nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit jährlich um etwa 0,3 bis 0,6 Prozent ab. Dieser Prozess verläuft so langsam, dass ihn die meisten Menschen zunächst gar nicht bemerken.
Mit zunehmendem Alter beschleunigt sich dieser Rückgang jedoch – vor allem im höheren Lebensalter, wenn natürliche Alterungsprozesse deutlicher werden.
Warum sind manche Männer mit 45 fitter als andere mit 30?
Genau hier wird es besonders interessant.
Das Alter ist nur ein Faktor von vielen. Die Studie zeigt, dass Männer, die bereits seit ihrer Jugend regelmäßig Sport treiben, ihre Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit deutlich länger erhalten.
Mit anderen Worten: Regelmäßige körperliche Aktivität verlangsamt den altersbedingten Leistungsabbau.
Und es gibt noch eine gute Nachricht: Selbst Männer, die erst im Erwachsenenalter mit dem Training beginnen, profitieren deutlich davon. Ihre Gesundheitswerte verbesserten sich laut Studie um etwa 10 Prozent.
Muskeln lieben Bewegung
Nach dem 60. Lebensjahr verliert der Körper schneller Muskelmasse. Das ist häufig der Grund für eine geringere Beweglichkeit, schnellere Ermüdung und nachlassende Kraft.
Die gute Nachricht: Muskeln reagieren in jedem Alter positiv auf Training.
Krafttraining, Spazierengehen, Schwimmen, Radfahren oder auch regelmäßige zügige Spaziergänge helfen dabei, den Körper länger stark und fit zu halten.
Was hilft dabei, länger in Form zu bleiben?
Die Wissenschaftler nennen mehrere Gewohnheiten, die tatsächlich einen Unterschied machen:
- regelmäßiges Ausdauertraining für Herz und Lunge;
- Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche;
- eine ausreichende Eiweißzufuhr über die Ernährung;
- hochwertiger Schlaf und genügend Regeneration;
- tägliche Bewegung statt eines überwiegend sitzenden Lebensstils.
Man muss weder Marathonläufer werden noch jeden Abend im Fitnessstudio verbringen. Viel wichtiger ist es, sich regelmäßig zu bewegen und körperliche Aktivität zu einem festen Bestandteil des Alltags zu machen.

