Es gibt Projekte, die sofort wie ein Witz klingen. Und dann gibt es solche, die so absurd sind, dass sie plötzlich wie eine geniale Idee wirken. Die neue HBO-Max-Serie “Life, Larry and the Pursuit of Unhappiness” gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Larry David, der Mann, der Peinlichkeit in “Curb Your Enthusiasm” zur Kunstform gemacht hat, geht diesmal noch einen Schritt weiter: Er nimmt 250 Jahre amerikanische Geschichte und filtert sie durch seinen sarkastischen Verstand.
Das Ergebnis? Eine Geschichte, in der große historische Ereignisse so wirken, als würden sie von Menschen diskutiert, die zufällig mitten ins Chaos geraten sind.
„Curb“ in Perücken und historischen Kostümen
Offiziell wird die Serie als „Curb in Kostümen“ beschrieben – und das trifft es tatsächlich am besten.
Das Format ist einfach, aber explosiv:
- 7 Episoden
- jeweils etwa 4 Sketche pro Folge
- große historische Ereignisse
- komplett improvisierte Dialoge
Das Drehbuch ist nur ein Grundgerüst. Alles andere ist klassische Larry-David-Improvisation: unangenehme Pausen, kleine Streitereien und Fragen, die niemand stellen sollte – aber er stellt sie.
Stellen Sie sich vor: Die Unabhängigkeitserklärung, während jemand darüber diskutiert, wer das letzte Stück Kuchen gegessen hat.
US-Geschichte als Stand-up-Comedy
Das Interessanteste an dem Projekt ist nicht die historische Rekonstruktion selbst, sondern ihre Darstellung.
Die Wright-Brüder, gespielt von Jon Hamm und Sean Hayes, wirken nicht wie Luftfahrtpioniere, sondern wie zwei Männer, die einen alltäglichen Streit in einer Garage klären.
Abraham Lincoln (Bill Hader) und Mary Todd Lincoln (Kathryn Hahn) werden fast zu einer Familienkomödie mit politischem Chaos.
Dazwischen tauchen Jerry Seinfeld, Vince Vaughn, J.B. Smoove und andere Comedy-Veteranen auf, die offenbar völlige Improvisationsfreiheit genießen.
Barack Obama als… er selbst?
Ja, richtig gelesen.
Zu den Produzenten gehört Higher Ground Productions von Barack und Michelle Obama, und noch überraschender: Der ehemalige US-Präsident wird auch selbst im Fernsehen auftreten.
Die Idee ist simpel, aber wirkungsvoll: Wenn politische Geschichte auf Beobachtungskomödie trifft, verschwimmt die Grenze zwischen „hoher Politik“ und „peinlichen Alltagssituationen“ vollständig.
Obama in einem Larry-David-Sketch klingt bereits jetzt wie ein kulturelles Experiment, das entweder Geschichte schreibt oder zum Comedy-Highlight des Jahrzehnts wird.
Improvisation als wichtigste Waffe
Regisseur Jeff Schaffer arbeitet erneut mit David zusammen – was eines bedeutet: Die Kontrolle ist minimal.
Die Dialoge sind nicht vollständig geschrieben. Die Situationen sind vorgegeben. Und dann machen die Schauspieler das, was sie am besten können: Sie verwandeln Geschichte in eine Reihe unangenehm realer, manchmal brillant absurder Momente.
Es geht nicht um „korrekte Geschichte“. Es geht um menschliche Natur, die sich selbst nach 250 Jahren nicht verändert hat.

