Es gibt Möbel, die man „für viele Jahre“ kauft. Und dann gibt es Dinge, die eine ganz besondere praktische Superkraft besitzen: Man kann sie einfach mitnehmen, wenn das Leben mal wieder die Adresse wechselt.
Genau auf dieser Idee basiert die neue Kollektion Kompishäng. Ihr Grundprinzip ist simpel: Möbel sollen zu einem modernen Lebensstil passen, bei dem man heute in einer Wohnung lebt, ein Jahr später in einen anderen Stadtteil zieht und wenige Monate danach vielleicht sogar die Stadt wechselt.
Und das alles, ohne jedes Mal einen Transporter mieten zu müssen, wenn ein kleiner Beistelltisch umziehen soll.
Die Kollektion umfasst 12 Produkte, und kein einziges davon kostet mehr als 70 £. IKEA setzt damit nicht nur auf Mobilität, sondern auch auf einen erschwinglichen Preis.
Doch besonders interessant wird es, wenn man sich die einzelnen Produkte genauer ansieht.
Ein Kleiderschrank, der plötzlich zum Rucksack wird
Eines der anschaulichsten Beispiele ist ein Kleiderorganizer für gerade einmal 7 £.
Auf den ersten Blick scheint es sich um ein gewöhnliches Aufbewahrungsprodukt zu handeln. Im Konzept von Kompishäng übernimmt es jedoch noch eine weitere Funktion: Es lässt sich in einen Rucksack verwandeln.
Und genau hier stellt sich eine interessante Frage: Warum sollten Möbel überhaupt tragbar sein?
Die Antwort ist einfach. Weil traditionelle Möbel oft an eine bestimmte Wohnung gebunden sind. Man kauft einen Schrank, einen Tisch oder eine Kommode und stellt beim nächsten Umzug plötzlich fest, dass der Transport komplizierter und teurer ist, als einfach etwas Neues zu kaufen.
Kompishäng verfolgt eine andere Logik: Ein Gegenstand soll Teil des eigenen Lebens sein – und nicht an eine bestimmte Adresse gebunden bleiben.
Und diesen Tisch kann man wie eine große Handtasche tragen
Ein weiteres Produkt aus der Kollektion zeigt, wie weit die Designer bei der Suche nach mehr Mobilität gehen.
Der Beistelltisch wurde so gestaltet, dass man ihn am Arm tragen kann – fast wie eine übergroße Handtasche.
Das klingt ungewöhnlich – und genau deshalb fällt es auf.
Anstatt Möbel als schwere, sperrige und unbewegliche Gegenstände zu betrachten, schlägt IKEA vor, sie eher wie persönliche Dinge zu behandeln, die man unkompliziert mitnehmen kann.
Natürlich wird wohl kaum jemand mit einem solchen Tisch aus purem Vergnügen durch die Stadt spazieren. Doch wer von einer Wohnung in eine andere zieht, Möbel zwischen verschiedenen Räumen transportiert oder eine vorübergehende Unterkunft einrichtet, könnte eine solche Konstruktion überraschend praktisch finden.
Möbel für eine Generation, die sich nicht für immer niederlassen will
Kompishäng ist nicht nur als Kollektion für den Wohnbereich interessant. Sie spiegelt eine viel größere Veränderung darin wider, wie Menschen ihren persönlichen Lebensraum betrachten.
Früher wurden Möbel oft mit Blick auf ein dauerhaftes Zuhause gekauft. Ein großes Sofa, ein massiver Tisch, ein Schrank für Jahrzehnte – all das machte Sinn, wenn man wusste, dass man viele Jahre an derselben Adresse bleiben würde.
Doch das moderne Leben in der Stadt sieht zunehmend anders aus.
Mieten statt Eigentum. Eine vorübergehende Wohnung statt eines „Hauses für immer“. Ein Job in einer anderen Stadt. Ein Studium im Ausland. Ein Umzug näher an den neuen Arbeitsplatz. Eine Wohngemeinschaft, die sich mit den eigenen Lebensumständen verändert.
In einer solchen Welt müssen auch Möbel mobiler werden.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum das Konzept von IKEA interessanter wirkt als nur eine weitere Designkollektion.
Möbel, für die man keinen Transporter braucht
Die zentrale Idee von Kompishäng stellt die traditionelle Vorstellung vom Umziehen tatsächlich infrage.
Normalerweise beginnt ein Umzug mit der Frage: „Wie bekomme ich das alles transportiert?“
Das neue Konzept schlägt eine andere Frage vor: „Muss ich das überhaupt aufwendig transportieren?“
Wenn sich ein Gegenstand zusammenklappen, umwandeln oder bequem in der Hand tragen lässt, wird ein Auto plötzlich zu einem optionalen Teil der Gleichung.
Für Bewohner großer Städte kann das besonders praktisch sein. Kein Parkplatz muss vor dem neuen Zuhause gesucht werden, kein Transporter muss organisiert werden und Freunde müssen nicht um Hilfe beim Schleppen schwerer Möbel gebeten werden.
In manchen Fällen reicht es einfach, die eigenen Sachen mitzunehmen.
Das klingt fast wie eine neue Form des Minimalismus: Nicht auf Komfort verzichten, sondern ihn mobil machen.
70 £ – und keine Design-Dramen
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Preis.
Keines der 12 Produkte aus der Kollektion kostet mehr als 70 £. Damit versucht IKEA, das Konzept tragbarer Möbel nicht nur Designfans, sondern auch ganz normalen Menschen zugänglich zu machen, die einfach ein praktisches Zuhause möchten.
Und das ist durchaus logisch.
Wenn Möbel für eine vorübergehende Wohnsituation entwickelt werden, sollten sie nicht wie eine Investition fürs ganze Leben kosten. Ein Mensch kann die Wohnung, die Stadt oder sogar das Land wechseln – und muss dabei nicht das Gefühl haben, einen Teil seines Vermögens in der alten Wohnung zurückzulassen.
Kompishäng schlägt im Grunde vor, nicht ein „Interieur für immer“ zu kaufen, sondern Komfort für die nächste Etappe des eigenen Lebens.











